Gründe für die Haltbarkeitsprobleme bei Lärchenschindeln:


Lärchenschindeln sind besonders anfällig gegen Braunfäulepilze, deren Sporen in der Umwelt praktisch überall vorhanden sind. Bei frischem Lärchenholz, bei fertig hergestellten Lärchenschindeln befinden sich die Sporen immer schon auf der Oberfläche und werden aktiv, sobald Klima (Feuchtigkeit) und die Umgebungstemperatur stimmen. Lagert man frisch hergestellte Schindelbunde ungünstig, z.B. in einer luftabgeschlossenen Garage, in einem feuchten Schuppen, etc., so beobachtet man auf der Oberfläche der Schindeln bereits innerhalb 2-4 Wochen rötlich-braune Verfärbungen. Jeder Hersteller oder Schindelhändler kann ein Lied davon singen. Werden die Bunde nicht umgehend luftig gelagert, entstehen aus den oberflächlichen Verfärbungen nach 6-10 Monaten würfelbruchartige Holzzerstörungen auf der Oberfläche der Lärchenschindeln, die wie Brandflecken aussehen:



Falls man aber frisch gemachte Lärchenschindeln sofort trocken und luftig lagert, für guten Luftaustausch sorgt, kann man die Verfärbungen und damit weitere Schäden verhindern. Natürlich kann man die Schindeln auch künstlich trocknen, aber das tötet die Pilzsporen nicht ab, da bei der Trocknung nicht die nötigen hohen Temperaturen erreicht werden. Bei getrockneten Schindeln ist der Pilz "dormant", d.h. die Sporen "schlafen" nur. Sobald aber die Schindeln wieder in feuchter Umgebung und passender Temperatur sind, kann der Pilz wieder reaktiviert werden. Das trifft praktisch immer auf den verlegten Zustand auf einem Dach zu.

Speziell auf der geschnitzten/gehobelten Schindeloberfläche im oberen 2/3 -Bereich der Schindeln, d.h. im überdeckten Bereich, entsteht ein für das Wachstum der Braunfäulpilze ideales Klima, vor allem, wenn die Lärchenschindeln "zu schön" sind, d.h. extrem glatt geschnitzt und vollkommen eben. Spaltrauhe Oberfläche im oberen Bereich, wellige Schindeln und propellerartige Verformung fördert die Durchlüftung und verringert das Pilzwachstum.

Hierdurch erklärt sich das typische Schadensbild bei Lärchenschindeln:
Meist im überdeckten Bereich, d.h. in der Schindelmitte, beginnt die Fäulnis, was dazu führt, daß die geschädigten Schindeln abbrechen, das untere Stück aus dem Verband herausfällt und ein Loch in der Deckung entsteht. Ein Paradebeispiel für diesen Schaden konnten wir in der Nähe von Kitzbühel/Tirol bei einem nur 17 Jahre alten Dach ausführlich dokumentieren:



Typisch für dieses Schadensbild ist, daß die Dachfläche von außen noch unbeschadet aussah, jedoch war im verdeckten Mittelbereich der Schindeln die Fäulnis stark fortgeschritten und vereinzelt begannen Schindeln abzubrechen und aus dem Verband herauszufallen.

Kommen wir nun zurück zu unserer Geschichte aus Südtirol:

Eine übliche Trocknung der Lärchenschindeln kann die Pilzsporen nicht abtöten, dazu ist die eingesetzte Temperatur nicht hoch genug. Höhere Temperaturen, die den Pilz beseitigen könnten (ab ca. 70) würden die Schindeln zu stark schädigen, da dann eine stark erhöhte Rißbildung einsetzen würde.

Nun scheint es so zu sein, daß eine über längere Zeitdauer anhaltende trockene Lagerung die dormanten Pilzsporen schädigt, in ihrer Wirkung einschränkt, oder sogar abtötet. Wenn Lärchenschindeln also über 4-5 Jahre und länger gelagert werden, haben sie vermutlich eine geringere Fäulnisanfälligkeit. Im Alpenraum wurden daher traditionell die Lärchenschindeln früher schon lange vor dem geplanten Einsatztermin hergestellt oder eingekauft und erst nach längerer Ablagerung verlegt. Auch heute noch sind bei den Bergbauern in Tirol abgelagerte Lärchenschindeln höher im Kurs und gefragter, als frisch hergestellte Schindeln.

Wenn die "schlafenden" Pilzsporen auf den Lärchenschindeln über längere Zeit trocken gehalten werden, so scheinen Sporen abzusterben und diese "Sterilisierung" (ist es ja nicht wirklich!) schränkt einen späteren Pilzbefall ein, auch wenn sie ihn nicht komplett verhindern kann, da ein erneuter späterer Kontakt mit Pilzsporen nicht auszuschließen ist.

Zusammen mit anderen positiven Umständen, Standortparametern und alter Handwerkskunst ist dies die Erklärung für die in der Vergangenheit vereinzelt beobachteten längeren Haltbarkeiten von Lärchenschindeln.

Da heute die Kenntnisse teilweise zwar noch vorhanden sind, aber deren Umsetzung aus Kostengründen und Zeitmangel nahezu ausgeschlossen ist, sind Lärchenschindeln in ihrer Haltbarkeit sehr eingeschränkt und

- müssen mit zusätzlichen Maßnahmen "aufgewertet" werden,
oder
- Lärchenschindeln müssen durch haltbarere Schindelarten
ersetzt werden, die sogar preisgünstiger sein können;





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